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Grafik

Tonplastik

zurück Das Leben, die Arbeit und der Tod

Das Leben, die Arbeit und der Tod, Nr. 2
2022
110 x 140 cm
Öl auf Leinwand

Bildbeschreibung

Das Gemälde „Das Leben, die Arbeit und der Tod“ zeigt in einer surrealen, symbolisch aufgeladenen Bildwelt verschiedene Stationen eines weiblichen Lebenslaufs. Das Ölbild entfaltet auf den ersten Blick eine grellbunte, Szenerie. Die leuchtenden Türkis-, Rosa-, Gelb- und Grüntöne erzeugen zunächst einen spielerischen Eindruck, der jedoch zugleich von der drastischen Bildsymbolik unterlaufen wird. Gerade dieser Kontrast zwischen dekorativer Farbigkeit und existenzieller Härte bildet das zentrale Spannungsmoment des Werkes.

Im linken Bildbereich steht eine hochschwangere Frau in einem enganliegenden, floral gemusterten Ganzkörperanzug. Auf ihren Augen liegen grüne Gurkenscheiben, ihr Haar steckt in Lockenwicklern – klassische Zeichen weiblicher Schönheits- und Selbstoptimierungsrituale. Einen Fuß kokett aufgestellt (und sich damit selbst verniedlichend) ist sie im Begriff, den nackten weiblichen Säugling kopfüber an eine quer über den Bildraum gespannten Leine wie ein Stück Wäsche aufzuhängen. Weitere nackte weibliche Säuglinge hängen bereits an dieser Leine. Damit verbindet das Bild Weiblichkeit unmittelbar mit Hausarbeit und Reproduktionsarbeit. Die Kinder erscheinen nicht als geliebte Wesen, sondern als Teil eines endlosen Arbeitskreislaufs.

Der mittlere und rechte Vordergrund führen diesen Gedanken weiter. Über den grünen Boden verstreut liegen Knochen und Schädel – Überreste menschlichen Lebens. Eine gebeugte alte Frau mit Kopftuch und Kittelschürze recht mit einer Harke Knochen zusammen, als handle es sich um Gartenabfälle oder Herbstlaub. Diese Szene verweist auf Pflege- und Sorgearbeit bis über den Tod hinaus: Frauen kümmern sich um Kranke, Alte und Sterbende und schließlich auch um die Hinterlassenschaften der Verstorbenen. Die Knochen können dabei als Sinnbild der „unsichtbaren“ Lebensarbeit gelesen werden, das wenige das bleibt, wenn alles andere vergangen ist.

Die Frau wird im Bild zur lebenslangen Versorgerin des Existierens: Kindheit, Erwachsenenalter und Alter stehen im Dienst von fundamentaler Daseinsführsorge ohne Raum für anderes. Hausarbeit und Reproduktion erscheinen damit nicht als einzelne Tätigkeiten, sondern als umfassende, nie endende Daseinsform bzw. als Existenzberechtigung für Frauen.

Kunsthistorisch steht das Werk einerseits in einer Tradition feministischer Kunst seit den 1960er und 1970er Jahren. Künstlerinnen wie Mierle Laderman Ukeles, Martha Rosler oder Mary Kelly thematisierten bereits die Unsichtbarkeit weiblicher Reproduktions- und Pflegearbeit. Besonders Roslers Arbeiten zur Hausarbeit und weiblichen Rollenbildern finden hier ein Echo: Das Private wird politisch und gesellschaftlich lesbar gemacht. Andererseits eignet es sich ein Bildthema an, das über Jahrhunderte fast ausschließlich männlichen Protagonisten vorbehalten war.

Zugleich erinnert die groteske Übersteigerung der Körper an surrealistische und neofigurative Bildsprachen. Die kopfüber hängenden Mädchen wirken irritierend und traumartig; sie entziehen sich jeder naturalistischen Darstellung. Dadurch entsteht eine Bildwelt zwischen Satire, Albtraum und Allegorie. Die bonbonhafte Farbigkeit verstärkt diesen Effekt: Das Bild tarnt seine Härte zunächst hinter einer scheinbar harmlosen Ästhetik, ähnlich wie gesellschaftliche Vorstellungen von Weiblichkeit Fürsorge romantisieren und ihre Belastung verdecken.

Die Harke im Vordergrund besitzt zudem eine symbolische Qualität. Traditionell ist sie ein Werkzeug der Ordnung und Reinigung. Hier wird sie jedoch zum Instrument des Aufräumens menschlicher Überreste. Hausarbeit erscheint dadurch als existenzielle „Aufräumarbeit“ des Lebens selbst – eine Tätigkeit, die sich vom Kinderzimmer bis zum Friedhof erstreckt.

Bemerkenswert ist auch die Entindividualisierung der Figuren. Die Frau mit den Gurkenscheiben wirkt weniger wie ein konkretes Individuum als wie ein Typus oder eine gesellschaftliche Rolle. Dadurch erhält das Bild eine allgemeingültige Dimension: Es geht nicht um ein einzelnes Schicksal, sondern um strukturelle Erwartungen an das Frausein.

Insgesamt formuliert Das Leben, die Arbeit und der Tod “ eine bitter-ironische Kritik an der traditionellen geschlechtlichen Arbeitsteilung. Das Werk zeigt weibliche Sorgearbeit als zyklischen, lebenslangen Prozess, der körperliche, emotionale und soziale Arbeit umfasst und zugleich gesellschaftlich banalisiert wird. Die Schönheitspflege mit Gurkenscheiben wirkt dabei wie eine zusätzliche Zumutung. Das Bild verbindet somit Humor, Groteske und gesellschaftliche Anklage zu einer eindringlichen Allegorie weiblicher Lebensrealität.